Wie stelle ich die Belichtung richtig ein?
Der Moment hat sich wohl für immer in mein Gedächtnis eingebrannt: Das erste Mal, als ich eine „richtige“ Kamera in den Händen hielt. Die kühle, gummiähnliche Beschaffenheit der Oberfläche. Die vielen Knöpfe neben dem Display und auf der Oberseite. Die Räder zum Einstellen der Modi mit Buchstaben darauf. Ich weiß noch ganz genau, wie mich die vielen Einstellungsmöglichkeiten zu Beginn verunsichert haben. Dabei braucht es für ein richtig belichtetes Foto im Grundsatz nur drei Einstellungen. In diesem Beitrag möchte ich dir erklären, welche das sind und wofür du sie brauchst.
Diese drei Einstellungen sind die richtige Blendenwahl, die Verschlusszeit und die ISO-Empfindlichkeit. Wenn du im manuellen Modus fotografierst, kannst du alle drei Einstellungen selbst vornehmen. Arbeitest du in einem Halbautomatik-Modus, übernimmt die Kamera eine Einstellung für dich. Im Automatik-Modus macht die Kamera alle Einstellungen selbst. Du hast damit allerdings auch viel weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Aber das ist ein anderes Thema.
Die Blende richtig einstellen
Beginnen wir mit der Blende: Die Blende funktioniert ähnlich wie die Iris im menschlichen Auge. Bei einer schlechten Lichtsituation weitet sich die Iris, damit mehr Licht auf die Netzhaut fällt. Bei hellem Sonnenschein zieht sie sich zusammen. Ähnlich ist es bei der Blende. Hast du schlechte Lichtverhältnisse, musst du die Blende weiter öffnen und bei sehr hellem Licht schließen. Lass dich dabei nicht von den Blendenzahlen verwirren. Eine kleine Blendenzahl, etwa 2.8, steht für eine große Öffnung. Sprich, so fällt mehr Licht hinein. Eine große Zahl hingegen, wie 11, beschreibt eine kleine Blendenöffnung.
Doch die Blende hat nicht nur Einfluss darauf, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera fällt. Sie bestimmt auch die Schärfentiefe und damit eine wichtige Gestaltungsmöglichkeit in der Fotografie. Bei kleiner Blendenzahl ist nur ein geringer Bereich des Fotos scharf. So kannst du das, was du in den Fokus stellen möchtest, quasi „ausschneiden“, denn Hintergrund und meist auch Vordergrund bleiben unscharf. Anders bei einer großen Blendenzahl. Hier kann das ganze Bild von vorn bis hinten scharf sein. Durch diesen Trick kannst du das Auge des Betrachters lenken und Stimmungen erzeugen.
Was ist die Verschlusszeit?
Die Verschlusszeit kannst du dir vorstellen, die ein Wimpernschlag beim menschlichen Auge. Sie bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Zu Beginn der Fotografie war der Begriff „Verschluss“ Programm. Man verschloss die Öffnung, in die das Licht einfiel, und hatte somit ein Bild aufgenommen. Ganz grob beschrieben. Als Veranschaulichung kannst du dir merken: Je heller das Licht in einer bestimmten Situation ist, desto kürzer musst du die Verschlusszeit einstellen. Zum Beispiel auf 1/1000 Sekunden. Bei schlechten Lichtverhältnissen brauchst du eine lange Verschlusszeit, damit mehr Licht auf den Sensor gelangen kann. Beispielsweise 1/50 oder 1/30 Sekunden.
Außerdem kannst du mit einer kurzen Verschlusszeit, etwa ab 1/1000 Sekunden, Bewegungen von Menschen, Tieren oder Gegenständen einfrieren. Je nachdem, wie schnell sich etwas bewegt, muss die Verschlusszeit kürzer eingestellt werden. Auch diese Grundeinstellung eignet sich also als gestalterisches Merkmal.
Die Sache mit der ISO-Empfindlichkeit
Die ISO-Empfindlichkeit hingegen ist für viele schwerer zu verstehen. Einfach ausgedrückt kannst du mit der ISO das Bild auch heller machen, falls das Licht zu dunkel ist. Aber: Das sollte die letzte Einstellung sein, die du nutzt, um ein Foto aufzuhellen. Denn die ISO bringt eine Schwierigkeit mit sich. Je höher die Empfindlichkeit, umso eher riskierst du ein Rauschen in den dunklen Bildbereichen. Das Rauschen erinnert mich an das Flimmern eines alten Röhrenfernsehers, der kein Programm empfangen kann, nur feiner. Manchmal vergleichen Fotografen das auch mit Koffein-Konsum, obwohl ich persönlich das Beispiel nicht so treffend finde. Halte also deine ISO am besten immer so niedrig wie möglich auf 200 oder 400. Je nach Kamera ist es unterschiedlich, wie hoch du sie stellen kannst, bevor es rauscht. Wenn du möchtest, kannst du das für dich auch einmal ausprobieren.
Diese drei Einstellungen sind in Sachen richtiger Belichtung die wichtigsten. Aber das Wichtigste in der Fotografie ist natürlich der Spaß. Wenn du gerade mit dem Fotografieren begonnen hast, dann probiere dich einfach aus. Du kannst nicht viel falsch machen und lasse dich nicht von den zahlreichen Einstellungsoptionen verunsichern.