Spiegellose Systemkamera
Wenn du überlegst, welche Kamera du dir anschaffen möchtest, stolperst du unausweichlich über den Begriff spiegellose Systemkamera. Ich weiß noch, zu meiner Jugend war die Spiegelreflex die beste Kamera, die es gab. Alle wollten eine haben, daher hinterfragte ich nicht ihre führende Marktposition. Als ich mir dann die erste professionelle Kamera kaufte, begann ich zu überlegen, ob dieses System noch zeitgemäß ist und welche Alternativen der Markt bietet. Daher habe ich dir hier die wichtigsten Infos zur spiegellosen Systemkamera zusammengefasst.
Was ist eine spiegellose Kamera?
Ich schreibe hier bewusst von der spiegellosen Kamera, denn der Begriff Systemkamera schließt streng genommen Spiegelreflexkameras mit ein! Die Bezeichnung Systemkamera hat sich als Synonym für Digitalkameras ohne Spiegel eingebürgert.
Als Geburtsstunde der kompakten Systemkamera (CSC) gilt der 06. August 2008. Damals hatte Panasonic in der Schweiz verkündet, gemeinsam mit Olympus zukünftig kompaktere Systemkameras, ohne den sperrigen Spiegel herzustellen.
Der größte und offensichtlichste Unterschied zu einer DSLR ist der fehlende Spiegel. Daher gilt für Systemkameras die Abkürzung: Digital Single Lens Mirrorless (DSLM). Somit braucht diese Bauart keinen Spiegelkasten, was die DSLM gegenüber ihrer älteren Schwester kleiner und leichter macht. Das Bild wird hier elektronisch im Sucher angezeigt – die sogenannte Live-View. Wie im vorherigen Artikel über die Spiegelreflexkamera angedeutet bringt das Vor- und Nachteile mit sich.
Beim Aufnehmen des Fotos projiziert das Objektiv das Motiv direkt auf den Sensor. Allerdings passiert das hier elektronisch und nicht durch den mechanischen Spiegel. Das bedeutet, du siehst dein Foto im Sucher so, wie es später aufgenommen aussieht aber nicht so, wie es die Natur und das menschliche Auge abbilden würden. Doch bevor du jetzt einen Schreck bekommst, hier die Vorteile von einer Kamera ohne Spiegel.
Vorteile einer Systemkamera
Kleiner und leichter
Wer mit seiner Kamera viel unterwegs ist und damit in den Urlaub fliegt, benötigt mit einer DSLM geringeren Platz im Vergleich zur DSLR. Nicht nur der Kamera-Body misst weniger Volumen, auch die Objektive sind kompakter. Vorrangig Systemkameras mit MFT-Sensoren fallen sehr klein aus, da der Sensor kleiner ist und keinen riesigen Korpus braucht. Ich habe meine Lumix G91 beispielsweise schon in der Handtasche transportiert – typisch Frau.
Kommt dann ein flaches Festbrennweiten-Objektiv dazu, kannst du hochwertige Bilder aufnehmen und die Kamera gleichzeitig ohne Probleme transportieren. Mein Tipp: Greife zu einem Reiseobjektiv mit einer breitgefächerten Brennweite. Das spart dir die ein oder andere zusätzliche Linse, eignet sich besonders für den Anfang und deine Ausrüstung nimmt noch weniger Raum ein.
Dank des fehlenden Spiegels spart die DSLM an Gewicht. Natürlich gibt es hier auch schwerere Modelle – je nach Sensorgröße. Für den Einstieg in die Fotografie ist es ohnehin nicht ratsam, auf einen Vollformat-Sensor zu setzen.
Elektrischer Sucher
Wie oben erwähnt, arbeitet die Spiegelreflexkamera mit einem optischen Sucher, welcher bei einer DSLM dem elektrischen Sucher weicht. Dieser bietet den Vorteil, dass dein Motiv auf der Kamera immer digital angezeigt wird. Alle Einstellungen, die du vornimmst, werden direkt im Sucher und parallel auf dem Display umgesetzt. Weiterhin blendet der Sucher Informationen ein, wie Gitterlinien, Histogramm, Belichtungszeit oder Blendenwert. Das hilft dir nicht nur zu Beginn die richtige Bildkomposition zu finden, sondern hilft auch erfahrenen Fotografen.
Geschwindigkeit der Serienaufnahme
In Sachen Serienaufnahmen überzeugt die Systemkamera deutlich, da sie Bilder in schnellerer Geschwindigkeit fotografiert. Viele Modelle schaffen elf Fotos pro Sekunde. Bei einer Spiegelreflex klappt zuerst das Innenleben hoch, ehe sie ein Foto aufnimmt. Das kostet Performance.
Hinweis: Viele bezeichnen den Autofokus bei DSLMs als schneller. Tatsächlich stimmt das nicht immer, da der Autofokus bei vielen Modellen genauso fix performed, wie der einer Spiegelreflex. Der Unterschied hier liegt beim Messfeld, denn Systemkameras verfügen im Vergleich über mehr Messfelder, auf die du den Autofokus legen kannst.
Hochwertige Videos
Systemkameras gelten als Vorreiter im Videobereich! Besonders beliebt – die 4K-Funktion. Dank des integrierten Bildstabilisators gelingt das Filmen aus der freien Hand, ohne Stativ richtig gut. Der Autofokus ist allerdings von Hersteller zu Hersteller schneller oder langsamer. Meine beiden Panasonics eignen sich besser zum Fotografieren. Wenn du richtig gute Videos aufnehmen möchtest, greife lieber zu einem Modell von Sony.
Spiegelreflexkameras eignen sich eher nicht gut zum Filmen. Der Spiegel ist dauerhaft aufgeklappt, weshalb der Fokus nur langsam arbeitet. Bei den Systemkameras fällt das Licht permanent auf den Sensor, sodass sie schneller reagieren und schärfere Bilder abbilden.
Nachteile einer Systemkamera
Geringe Akkulaufzeit
Du kennst es sicher von deinem Smartphone, wenn du ein Video guckst und das Display viel Arbeit leistet, zieht es dir den Akku schneller leer. Das Gleiche gilt für Systemkameras. Viele elektische Komponenten und Funktionen fressen Energie. Hier hat die Spiegelreflex einen klaren Vorteil, auch wenn die Akkuleistung keine Auswirkungen auf deine Fotografie hat. Höchstens auf deinen Geldbeutel, weil du zwei Ersatzakkus kaufst oder gar einen Handgriff mit extra Akkufach.
Überhitzung
Sobald du ein Gerät mit Batterie benutzt, besteht das Risiko einer Überhitzung. Wird die Kamera dann ungewöhnlich stark beansprucht, etwa in der Sportfotografie, kann es durchaus sein, dass es ihr zu heiß wird. Das passiert bei einem Apparat, der mehr Strom benötigt und mehr Elektronik beinhaltet, wie der Systemkamera schneller, als der Spiegelreflex. Allerdings ist es mir selbst noch nicht passiert. An heißen Sommertagen versuche ich wenn morgens oder abends zu fotografieren und die schwarze Kamera im Schatten zu haben.
Höhere Kosten
In der Anschaffung sind gute Systemkameras oft genauso kostspielig wie Spiegelreflexkameras. Der Body ist also kein außergewöhnlicher Kostenfaktor – weder im unteren noch im oberen Preissegment. Einzig und allein der Preisunterschied bei der Objektivwahl fällt auf. Die Objektive kosten bei den Systemkameras häufig ein wenig mehr. Je größer der Sensor umso tiefer musst du in die Tasche greifen. Daher auch hier nochmal meine Empfehlung. Für Anfänger, die die Fotografie als Hobby ausprobieren wollen genügt ein MFT- oder ein ASP-C-Sensor aus.