Backstage - Mein Leben mit Oldtimer
Der Startschuss - Jim Clark Revival
Meine Hände krallen sich gespannt in die Löcher des Fangzauns vor mir. Meine Augen schauen auf den heißen schwarzen Asphalt vor mir. Die Luft ist erfüllt von Benzinduft und einer ganz besonderen gespannten Atmosphäre, die ich kaum in Worte fassen kann. Plötzlich höre ich es ein tiefes Grollen, das von Sekunde zu Sekunde immer lauter und kräftiger wird. Dann sehe ich sie! Wie flache Flundern kommen sie angerast durch die vor Hitze flackernde Luft. Die Rennwagen der Lurani Trophy auf dem Jim Clark Revival in Hockenheim.
„Da kommen sie!“ Mein Papa grinst mich begeistert an und zückt seine kleine Kompaktkamera. Ehe ich mich versehe, donnern die Rennwagen an mir vorbei. Kaum biegen sie in die nächste Kurve ein und verschwinden dahinter, richtet sich mein Blick begeistert zu meinem Vater. Der grinst breit und richtet seinen Blick wieder auf die Strecke. In weiteren Verlauf des Rennens kommentiert er wer vorn ist, welche wagen zurückfallen und welche sich an die Spitze kämpfen.
Dieser Tag im Jahr 2007 entfacht in mir die Begeisterung zum Motorsport und prägt damit entscheidend meinen weiteren Weg. An diesem Samstag sind wir außerdem mit unserem Manta am Ring, denn wir haben uns für einen Weltrekordversuch angemeldet. Das Highlight folgt schließlich am Ende des Tages, denn alle Teilnehmer fahren in einem sehr langen Corso auf der Rennstrecke. Leider verfehlen wir den Rekord von 1000 rollenden Oldtimern um nicht einmal 100 Autos.
Das bin ich
Nach diesem kleinen Ausflug in meine persönliche Geschichte, möchte ich mich endlich vorstellen. Ich freue mich sehr, dass du hier auf meinem Blog gelandet bist. Mein Name ist Carina Mollner und wenn du bereits meine Website besucht hast, weißt du, dass ich Oldtimer fotografiere. Besuchst du die Über-mich-Seite, bekommst du einen kurzen Eindruck, warum ich das mache.
Als Frau werfen mir die Leute ab und an abschätzende Blicke zu, wenn ich mit meinem Freund und meinem E30 unterwegs bin und auf der Fahrerseite einsteige. Vielleicht denken sie, das Auto gehört nicht mir und ich darf nur fahren. Wenn ich ehrlich bin liebe ich diese Momente. Weil sie mir zeigen, dass es ein bisschen ausgefallen ist und ich liebe das Außergewöhnliche.
Das Taschenmesser
Das erinnert mich an einen Moment aus meiner tiefsten Kindheit. Ich war nämlich im Waldkindergarten und habe schon früh den Umgang mit Werkzeug wie Bohrern und Sägen oder auch Taschenmessern gelernt. Wir haben sehr viel mit Holz geschnitzt. Eines Tages, ich war vielleicht vier Jahre alt, war die ganze Familie bei meiner Tante auf dem Wochenendgrundstück eingeladen. Ich fand einen Stock und wollte schnitzen, also fragte ich meinen Vater nach einem Messer. Er gab es mir ohne zu zögern und viele meiner Verwandten protestierten sofort.
Aufforderungen wie: Nehmt dem Kind das Messer weg, das ist viel zu gefährlich, verfolgten mich meine ganze Kindheit lang. Irgendwie hatten die Leute immer Sorge um mich. Daher fand ich Gefallen daran ungewöhnliche Dinge zu tun. Ungewöhnlich in Bezug auf mein Alter, mein Geschlecht und natürlich auch gegenüber der genormten Gesellschaft.
Trotzdem erhalte ich immer öfter Anerkennung für meine Begeisterung bezüglich alter Autos. Die entwickelte sich auf Grund eines für mich ganz besonderen Wagens. Mein Vater kaufte 1987 – ich kam erst 10 Jahre später zur Welt – einen Opel Manta A von seinem Kumpel ab. Es ist nicht unser einziger Oldtimer aber der Einzige, der zuverlässig anspringt. Wenn meine Eltern nun eine ausfahrt machen wollten, musste ich natürlich zwangsweise mit. Das galt auch für die Wochenenden, an denen meine Mama mit ihrer Freundin ein Mädels-Wochenende machte und mein Papa auf mich aufpassen sollte. Zufälligerweise waren an diesen Daten meist Oldtimer-Treffen oder Rennevents auf dem Hockenheimring.
Tja, dann muss das Kind nun mal mitkommen. Je älter ich wurde, umso eher nahm ich diese Ausflüge wahr und fand Gefallen daran. In der dritten Klasse folgte schließlich jenes Schlüsselerlebnis auf dem damaligen Jim Clark Revival in Hockenheim.
Heute verbinden mich die meisten Leute, die mich näher kennen, ohne Umwege mit alten Autos. Natürlich treffe ich häufiger auf Menschen die es toll finden, dass ich Oldtimer fahre. Wenn du wissen möchtest, wie ich zu meinem E30 kam, kann ich dir diesen Artikel empfehlen.
Eine Lehre ziehe ich heute aus der Geschichte mit den Oldtimern oder auch dem Schnitzmesser. Selbst wenn die Gesellschaft dich für außergewöhnlich abstempelt, lebe genauso weiter wie du es für richtig hältst. Lass dich nicht unterbuttern, sondern ziehe es durch und verwirkliche deine Träume.
Eine Antwort
Hallo Carina,
sehr schöner Einblick in dein Leben und die Geschichte, wie du zum Oldtimer kamst. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge von dir.
Grüße Lukas